Verdacht auf Insiderhandel: Deutsche Börse im Zwielicht

Frankfurt/Main (dpa) - Die Ermittlungen gegen ihren Vorstandsvorsitzenden Carsten Kengeter wegen des Verdachts auf Insiderhandel überschatten die Bilanz der Deutschen Börse. Immerhin erwarten Analysten, dass die Geschäfte des Dax-Konzerns 2016 etwas besser gelaufen sind als ein Jahr zuvor. Handeln Anleger etwa wegen politischer Unsicherheiten mehr, kommt das dem Frankfurter Marktbetreiber zugute. Die Zahlen für das vergangene Jahr legt das Unternehmen an diesem Mittwoch (15.2.) nach Börsenschluss vor, tags darauf stellt sich der Vorstand den Fragen der Journalisten.

Die Nettoerlöse dürften Schätzungen zufolge wieder ein Niveau von knapp 2,4 Milliarden Euro erreichen, beim operativen Gewinn (EBIT) erwarten Analysten eine leichte Steigerung von gut 992 Millionen Euro auf rund 1,1 Milliarden Euro. Im Jahr 2015 hatte die Deutsche Börse unter dem Strich trotz gut laufender Geschäfte mit 665,5 Millionen Euro 13 Prozent weniger verdient als 2014. Grund dafür waren Kosten für ein Sparprogramm und Aufwendungen für zwei Übernahmen.

Derzeit versucht sich die Deutsche Börse im dritten Anlauf an einem Zusammenschluss mit der Londoner Börse (London Stock Exchange/LSE). Die beiden Konzerne wollen den mit Abstand größten europäischen Börsenbetreiber schmieden, brauchen dazu aber noch die Zustimmung der EU-Wettbewerbshüter und der hessischen Börsenaufsicht. Dass der rechtliche Sitz der geplanten Holding in London sein soll, sorgt für Kritik - erst Recht, nachdem die Briten sich für einen Austritt aus der Europäischen Union (Brexit) entschieden haben.

Zusätzlich belastet werden die Verhandlungen durch die Vorwürfe gegen Kengeter, der auch das fusionierte Unternehmen führen soll. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt gegen den Börsenchef wegen des Verdachts auf Insiderhandel. Kengeter hatte am 14. Dezember 2015 im Rahmen eines Vergütungsprogramms Deutsche-Börse-Anteile im Wert von 4,5 Millionen Euro gekauft, die er nicht vor Ende 2019 veräußern darf. Zehn Wochen später, am 23. Februar 2016, machten Deutsche Börse und LSE Fusionsgespräche öffentlich. Die Aktienkurse beider Unternehmen stiegen in der Folge deutlich.

Nach Erkenntnissen der Ermittler gab es schon im Sommer 2015 Gespräche der Leitungsebenen beider Unternehmen über eine Fusion. Die Staatsanwaltschaft wirft Kengeter vor, seine Aktiengeschäfte auf Grundlage dieser Insiderinformationen getätigt zu haben.

Der Aufsichtsratschef der Deutschen Börse, Joachim Faber, hatte die Vorwürfe gegen Kengeter als «haltlos» zurückgewiesen: Die Spitzen von Deutscher Börse und LSE hätten sich «erst in der zweiten Januarhälfte 2016 (...) verständigt, Verhandlungen über eine Fusion (...) zu beginnen». Der gesamte Aufsichtsrat sprach Kengeter demonstrativ «einstimmig sein volles Vertrauen aus».

(Bild: Kigoo Images/pixelio.de)



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