Rollt Amazon bald den deutschen Paketmarkt auf?

Troisdorf/Bonn (dpa) - Macht sich Amazon bald auf dem Paketmarkt in Deutschland breit? Und wie antworten die Konkurrenten auf einen solchen Einschnitt? Keine Frage wird in der Branche derzeit heftiger diskutiert als die Pläne des US-Onlineriesen. Seit einigen Monaten testet das Unternehmen über ein Verteilzentrum in München die Zustellung von Paketen, auch eine Ausweitung auf andere Gebiete ist möglich. Ob aus diesem Versuchsballon mehr werden könnte, bleibt abzuwarten.

«Es ist schön, wenn sich andere Unternehmen für unsere Branche interessieren. Das zeigt, das sie sehr attraktiv ist», sagt Postchef Frank Appel. Trotz der Avancen von Amazon zeigt sich Appel bei der Bilanzvorlage im DHL-Innovationszentrum in Troisdorf bei Bonn völlig unbeeindruckt und gibt sich betont gelassen. Er sehe die Entwicklung mit «sportlichem Ehrgeiz» und kontert: Die Post habe hervorragende Mitarbeiter, verfüge über eine hervorragende Infrastruktur und sei Qualitätsführer.

Auch Branchenexperten spielen die Amazon-Pläne herunter, zumal nicht klar ist, ob Konzernchef Jeff Bezos die Zustellung aus der Testphase tatsächlich in den Normalbetrieb bringen wird. Jochen Rothenbacher von der Investmentbank Equinet beispielsweise erwartet nicht, dass Amazon der Post viel Geschäft wegnehmen könnte. Der Versandhändler trage schätzungsweise rund 600 Millionen Euro zum Jahresumsatz der Post bei und rund 50 Millionen Euro zu deren Ergebnis vor Zinsen und Steuern. Davon könnte, so der Analyst, nur ein kleiner Anteil in Gefahr geraten, weil sich Amazon auf größere Städte konzentrieren werde.

Doch eine gewisse Nervosität in der Branche ist nicht zu leugnen. Das hatte vor wenigen Wochen auch der Bundesverband Paket und Expresslogistik (Biek) eingeräumt. Amazon sei ungemein kapitalstark und ein Unternehmen, das Branchen auf Trapp bringen könne, sagte der Vorsitzende des Verbandes der Postwettbewerber, Florian Gerster. Aber: Das klassische und flächendeckende Zustellgeschäft werde weiter Domäne der reinen Paketdienstleister bleiben.

Das sieht die Post kaum anders. Kein Anbieter von Paketdiensten ist in Deutschland besser vernetzt als der gelbe Riese aus Bonn. Jürgen Gerdes, der Chef der Sparte PeP kommt geradezu ins Schwärmen, wenn er über die vielen Zustelloptionen spricht - ob über Paketkasten, die Packstation oder die Drohne, die er Paketkopter nennt. Und weil das Onlinegeschäft auch in den kommenden Jahren wachsen wird, setzt der Herr über Brief und Paket alles daran, die Erfolge auf dem deutschen Markt auf auch andere Länder zu übertragen.

Konzernchef Appel erwartet, dass das Internet den Paketboom über Jahre weiter antreiben wird. Bis 2020 dürften die Paketmengen in Deutschland in der Branche nach seiner Schätzung jährlich um 5 bis 7 Prozent wachsen. Bei der Post kletterte das Sendungsvolumen 2015 sogar um fast 9 Prozent auf 1,1 Milliarden Pakete.

Grund genug, das Geschäft im Ausland massiv voranzutreiben. Immer dichter ist inzwischen das Paketnetz geworden, in 16 europäischen Ländern sei der Konzern nun aktiv, sagt Gerdes. Seit kurzem beackert die Post auch die Paketmärkte in Frankreich, Skandinavien und den baltischen Ländern. Und für das flächendecken Paketnetz hat Gerdes auch einen Namen: «Die Vereinigten Paketstaaten von Europa».

(Bild: Verena N./pixelio.de)



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